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Jahrestagung 2018 - Call for Papers
Die (Neu-)Vermessung der katholischen Welt. Katholizismen des 19. und 20. Jahrhunderts

Die Jahrestagung des Schwerter Arbeitskreises bildet ein offenes Forum, das Forscherinnen und Forschern verschiedener Disziplinen die Möglichkeit bietet, neue Projekte und Fragestellungen in der Katholizismusforschung zu diskutieren. Die diesjährige Tagung findet vom 23.25. November 2018 in Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie Schwerte statt. Die offizielle Einladung einschließlich Programm und Anmeldeunterlagen wird nach der Sommerpause verschickt werden. Im Mittelpunkt stehen wie gewohnt die Vorstellung und Diskussion laufender Arbeiten zur Katholizismusforschung über das 19. und 20. Jahrhundert. Besonders diejenigen, die an Qualifikationsarbeiten (Master-, Diplom-, Magisterarbeiten, Dissertationen und Habilitationen) sitzen, sind herzlich eingeladen, ihre Projekte vorzustellen und Themenvorschläge einzureichen. Bewerbungen in Form eines halbseitigen Abstracts und eines kurzen Lebenslaufes sind bis zum 30. Juni 2018 an Florian Bock (florian.bock@uni-tuebingen.de) und Daniel Gerster (daniel.gerster@uni-muenster.de) zu senden.

Die Generaldebatte des Schwerter Arbeitskreises widmet sich in seiner 32. Jahrestagung der (Neu-)Vermessung der Katholizismen des 19. und 20. Jahrhunderts. Denn Katholikinnen und Katholiken der neueren Geschichte verhielten sich häufig weniger uniform, sondern handelten wesentlich pluraler, als es auf den ersten Blick scheinen mag. So haben in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Studien, beispielsweise über antimoderne und liberale Katholiken im 19. Jahrhundert, immer wieder die „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ herausgearbeitet. Ähnliche Beobachtungen wurden auch für das 20. Jahrhundert gemacht. So grenzte sich die „68er-Bewegung“, die in diesem Jahr bereits ein halbes Jahrhundert alt wird und die im katholischem Raum zum Code für eine ‚linke‘ Kirchen- und Gesellschaftsreform wurde, bewusst von einer älteren, ‚konservativen‘ Generation ab. Das geschah, wie anhand der Diskussionen um die Enzyklika „Humanae Vitae“ deutlich gemacht werden kann, nicht nur über Inhalte, sondern auch Inszenierungsweisen. 

Die Generaldebatte des Schwerter Arbeitskreises Katholizismusforschung 2018 stellt angesichts der attestierten Pluralität die Frage, wie der katholische Raum des 19. und 20. Jahrhunderts angemessen historisch kartographiert werden kann. Wie können seine Katholizismen beschrieben werden, ohne dass man analytischen Trugschlüssen unterliegt und z.B. eher marginale Persönlichkeiten bzw. Gruppierungen als stilbildend interpretiert? Genügen dafür noch die altbekannten politischen oder sozialen Schemata wie ‚rechts/links‘, ‚progressiv/konservativ‘ usw.? Oder bedarf es ‚neuerer‘ Differenzierungskategorien wie ‚Zentrum/Peripherie‘, um verschiedene Formen des Katholischseins zu beschreiben? Was können in diesem Zusammenhang aktuelle Debatten der Geschichtswissenschaft, aber auch der Soziologie, die nach Grenzen und Verflüssigung religiöser Formationen fragen, beitragen? Und schließlich: In welchem Verhältnis stehen hier die Selbst- und Fremdwahrnehmung zeitgenössischer katholischer Individuen und Gruppierungen im Sinne einer Erfahrungsgeschichte zu Bewertungen von Nachgeborenen?

Für die Diskussion dieses Themas konnten wir Wilfried Loth (Duisburg-Essen) und Klaus Große Kracht (Münster) als Referenten gewinnen. Am Samstagabend findet ein auch medial aufbereitetes Zeitzeugen-Gespräch mit Werner Cordes zum ‚katholischen 1968‘ statt.

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